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18.05.2019: Aus "Steine suchen" wurde nix - aber dafür... - Teil 6

Untertitel: Triviales und Geniales

Liebe Pilz-Freunde,
dies ist Teil 6 des Berichtes vom 18.05.2019
.

Teil 1 findet Ihr hier
Teil 2 findet Ihr hier
Teil 3 findet Ihr hier
Teil 4 findet Ihr hier
Teil 5 findet Ihr hier
Teil 7 findet Ihr hier

Und weiter geht's...

Der vierte Fund - eine Mollisia - ebenso auf diesem Eichenästchen (Ast Nummer 4):
Fundnummer: 2019-05-18-1216-D

Morphologische Daten:

Substrat: Ast Nummer 4 - siehe vorhergehend (Eichenholzast (Quercus))
Inkubationsdaten: Erscheinend ab 1 Woche in Feuchtekammer, voll reif mit 3 Wochen
Becherfarbe: jung: weiß, glasig wirkend, reif: Zentrum etwas grauend, Rand etwas gilbend, voll reif: blass beige-grau
Becherrand: nicht sichtbar, nicht farblich abgesetzt
Stiel:
Becher ist nicht deutlich gestielt sondern fast ohne Stiel, dieser Stielstummelchen ist reif schwarzbraun
Bechergröße:
reif 0,33 - 1 mm - also eine relativ sehr leine Mollisia
Makrochemische Reaktion: KOH 3% auf Becher, sofort deutlich gelb

Mikroskopische Daten:

Sporen:
langgestreckt ellipsoid, nicht septiert, Ölgehalt: 0-1 (selten 2)
Maße (vital, in Wasser):
(7,2) 7,5 - 10,4 (10,6) x (1,8) 2,0 - 2,5 (2,7) µm
Q = (3,5) 3,7 - 4,5 (4,8) ; N = 25
Me = 8,9 x 2,2 µm ; Qe = 4,0

Diese Sporen dürfen bis auf wenige nicht mehr vital sein:



Diese Sporen sollten vital sein:



Asci:
Porusreaktion mit Lugol blau (bb), Haken nicht gesehen (aber nicht auszuschließen)

8-sporig, ca. (32,4) 39,1 - 43,5 (44,5) x (4,9) 5,6 - 7,6 (7,7) µm; N = 7; Me = 40,1 x 6,6 µm

Paraphysen:
langgestreckt leicht keulig, in KOH 3% gelblich, manchmal septiert
Breite (an breitester Stelle gemessen): (1,8) 1,9 - 2,9 (3,1) µm; N = 12; Me = 2,4 µm
Länge: ca. 24 - 48 µm; N = 18




Paraphysen + Asci in Lugol:




Subhymenium:
hyalin (keine deutlich bräunlichen Hyphen)




Ectal-Excipulum:
in H2O braun, mit KOH 3% gelblich-grünlich

Marginalzellen:
keulig, septiert, hyalin, in KOH 3%
gelblich, nicht 50 µm deutlich übersteigend, nicht schwarzbraun

Breite (an breitester Stelle gemessen): (2,7) 2,74 - 4,9 (5,1) µm; N = 11; Me = 3,5 µm













Marginalzellen in Lugol:




Hymenium+Marginalzellen in Lugol:




Hymenium in Lugol:




Sporen und Kompletter Fruchtkörper in KOH:



Schlüsselweg:
Mollisia Schlüssel von Andreas Gminder - Version 2008
rote Schlüsselpunkte sind die unsicheren

1 > 1a > 2 > 2* > 5 > 5b > 7 > 7b > 10 > 10a > 11 > 11b > 12 > 12* > 17 > 17a > 18 > 18b (Schlüssel Holzarten an der Stelle unvollständig oder Andreas hat da eine andere Auffassung der Art) > Mollisia albogrisea

1 > 1a > 2 > 2* > 5 > 5b > 7 > 7b > 10 > 10a > 11 > 11b > 12 > 12* > 17 > 17a > 18 > 18d
> Mollisia "conifericola" nom. prov.

Ausgeschlossene Alternative:
1 > 1a > 2 > 2* > 5 > 5b > 7 > 7b > 10 > 10a > 11 > 11b > 12 > 12** > Mollisia perparvula --> passt nicht (allein wegen fehlendem Kurz-Stiel)

Ich wäre hier ganz klar bei Mollisia "conifericola" nom. prov. gelandet. War mir aber nicht sicher. Matthias untersuchte den Pilz nach und bestimmte eindeutig Mollisia albogrisea - was ich gerne glaube. Zu beachten ist hier die Abweichung im Schlüssel Punkt 18b --> Die Auffassung einiger Autoren weicht hier ab.
Weißgraues Weichbecherchen (Mollisia albogrisea)
:






Unreife Fruchtkörper:










Reife Fruchtkörper:













sehr reife Fruchtkörper:



Fundnummer: 2019-05-18-1218
Amina fand 2 tolle Exemplare vom
Mai-Stielporling (Polyporus ciliatus):






Fundnummer: 2019-05-18-1219
Wir zogen weiter... Am Wegrand war ein kleiner "stehender" Bachlauf.
Auch von dort sammelte Dieter ein Stück verdächtiges Holz - Ast Nummer 5 - auf:




An diesem Ast fanden sich zwar auch Pilze, jedoch nichts, was ich besonders interessant für eine nähere Bestimmung fand.
Jedoch fand ich etwas anderes interessant - nämlich folgende pillenartigen Objekt (sicher kein Pilz):

Fundnummer: 2019-05-18-1219-A

Der Durchmesser beträgt ca. 68 µm.
Hier half mir das Mikroskopie-Forum auf die Sprünge. Dann konnte ich das Objekt anhand des Schlüssels hier:
https://www.arcella.nl/arcella-key-2/
Als Schalenamöbe Arcella intermedia identifizieren:







Weiter ging es. wir waren gerade mal ca. 50 Meter vom Auto weg bis jetzt gekommen.

Fundnummer: 2019-05-18-1236

Eine Psathyrella, die wir schon vor Ort als "Spadi" vermuteten untersuchte ich mikroskopisch.
Die Schneide in Luft zeigte die üblichen Cheilos:




Doch die Lamellenflanke machte mich stutzig - denn es waren ganz klar neben 4-sporigen auch 2-sporige und 3-sporige Basidien vorhanden.
Hier markiert mit 2, 3 und 4. Die 2-sporigen konnte ich auch im Durchlicht bestätigen:



Auch die Cheilozystiden verwunderten mich, da sie (selten) grünliche Anlagerungen trugen:



Ich schlüsselte also nach dem aktuellen Pilzmel-Schlüssel alle Alternativen.
Die roten Punkte sind die unsicheren:

1 > 1* > 2 > 3 > 3* > 5 > 6 > 6* > 7 > 7* > 11 > Teil C > 1 > 1* > 3 > 3* > 4 > 4* > 5 > 5* > 8 > 8* > 12 > 12* > 14 > 14* > 22 > Teil F > 1 > 1* > 2 > 6 > 6* > 11 > 14 > 14* > 15 > 15* > 16 > 16* > 17 > 17* > 18 > 18* > 19 > 19* > 20 > Psathyrella spadiceogrisea

1 > 1* > 2 > 3 > 3* > 5 > 6 > 6* > 7 > 7* > 11 > Teil C > 1 > 1* > 3 > 3* > 4 > 4* > 5 > 5* > 8 > 8* > 12 > 12* > 14 > 15 > 16 > P. tephrophylla (kann nicht sein wegen Velum)

1 > 1* > 2 > 3 > 3* > 5 > 6 > 6* > 7 > 7* > 11 > Teil C > 1 > 1* > 3 > 3* > 4 > 4* > 5 > 5* > 8 > 8* > 12 > 12* > 14 > 15 > 15* > 18 > 18* > 19 > Sackgasse

1 > 1* > 2 > 3 > 3* > 5 > 6 > 6* > 7 > 7* > 11 > Teil C > 1 > 1* > 3 > 3* > 4 > 4* > 5 > 5* > 8 > 8* > 12 > 13 > 13* > P. thujina (kann nicht wegen Sporenform)

1 > 1* > 2 > 3 > 3* > 5 > 6 > 6* > 7 > 7* > 11 > Teil C > 1 > 1* > 3 > 3* > 4 > 4* > 5 > 5* > 8 > 9 > 9* > 10 > 10* > 11 > Sackgasse

Der Pilz ist nahe oder gleich Psathyrella spadiceogrisea, wobei die 2- und 3-sporigen Basidien abweichend sind. Auch die seltenen Anlagerungen an den Cheilozystiden sind verdächtig. Da beides jedoch selten ist, und die 4-sporigen Basidien dominieren, bleibt es bei Psathyrella spadiceogrisea agg., wobei das letzte Wort in der ganzen Sektion sowieso noch nicht gesprochen ist. Zu beachten sind hier die abgestutzen Sporen, welche diese Exempare deutlich zeigten.

Somit bleibt es: Schmalblättriger Faserling (Psathyrella spadiceogrisea agg.):



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