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09.07.2016: Pilze ohne Ende - Teil 3

Liebe Schwammer-Freunde,
dies ist Teil 3 des Berichtes vom 09.07.2016
.

Teil 1 findet Ihr hier
Teil 2 findet Ihr hier

Und weiter geht's...

Fundnummer: 2016-07-09-1339
Eingepackt (für's Abendessen) wurde auch der Rotbraune Scheidenstreifling (Amanita fulva).
Hier ein Prachtexemplar:




Fundnummer: 2016-07-09-1342

Fundort: ca. 550 müNN. ca. N50, O12, bei Fichten im Sphagnum
Fundzeit: 09.07.2016
Wuchsform: einzeln
Hutform:
jung: kugelig
Huthaut-Konsistenz: glatt, mittlerer Glanz
Huthaut-Farbe: orangerot, Rand grünlich-gelb
Huthaut-Abziehbarkeit:
1/2 abziehbar
Fleischfarbe unter Huthaut: minimal rosa
Hut-Fraßstellen-Rand-Verfärbung: keine Verfärbung
Hutrand:
nicht gerieft (aber nichts aussagend weil so jung)
Lamellen:
weiß
Lamellensprödigkeit: zu jung für Beurteilung
Lamellenschneiden: ohne Besonderheiten
Lamellen-Stielübergang:
zu jung für Beurteilung
Stiel: weiß, glatt, fest, keulig, leicht bräunend bei Berührung, beim Trocknen kaum gilbend
Stielbasis: rund, etwas bräunend
Fleisch: weiß, minimal bräunend im Schnitt, beim Trocknen kaum gilbend
Größe: Hutdurchmesser 3 cm, Stiellänge 3 cm, Stieldurchmesser 10 mm
Sporenpulverfarbe: nicht getestet
Geruch: zerrieben etwas fruchtig
Geschmack: schärflich, aber Schärfe klingt schnell wieder ab

Die Merkmale, vor allem der Standort, Hutfarbe, Geruch, Geschmacksverlauf sprechen ganz klar für den Apfel-Täubling (Russula paludosa) den wir in diesem Gebiet häufig finden.
Ohne Mikroskopieren traue ich mich diesen so zu nennen:


Fundnummer: 2016-07-09-1347
Hier nun der zweite häufige Risspilz in "unseren" Sümpfen...
Rübenfüßiger Risspilz (Inocybe napipes)
:



Fundnummer: 2016-07-09-1357
In großen Mengen zeigte sich der Torfmoos-Milchling (Lactarius sphagneti):



Fundnummer: 2016-07-09-1403
Weine nicht! Getropfter Saftporling (Oligoporus guttulatus):


Fundnummer: 2016-07-09-1414
Auch eine Art, die wir hier zu ersten Mal fanden, von der wir aber mittlerweile mehrere Standorte kennen.
Samtschuppiger Tannen-Flämmling (Gymnopilus sapineus)
:








Fundnummer: 2016-07-09-1436
Ein Pilz dessen Name einfach nicht in meinen Kopf bleiben will ;-))
Geselliger Glöckchennabeling (Xeromphalina campanella):



Fundnummer: 2016-07-09-1447
Der nächste war ein sehr schwieriger Fall... ein Fälbling.

Morphologische Daten:

Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, bei Fichten im Sphagnum
Fundzeit: 09.07.2016
Wuchsform: einzeln
Hutform:
konvex mit Buckel
Huthaut: ocker, nach außen zu creme werdend, glatt, klebrig
Hygrophanität: nicht festgestellt
Hutrand: scharfkantig
Lamellen: hellbraun, mit Zwischenlamellen
Lamellenanzahl der durchgehenden Lamellen: ca. 70 Stück
Lamellenschneiden: weiß, braunfleckig vom Sporenpulver, gesägt
Lamellen-Stielübergang:
gerade angewachsen, leicht herablaufend
Stiel: ocker, bereift, längsfaserig, hohl
Stielbasis:
knollig
Fleisch: ohne Besonderheiten
Größe: Hutdurchmesser ca. 7,3 cm, Stiellänge 10 cm, Stieldurchmesser ca. 13 mm --> Stiel Q = 7,7
Sporenpulverfarbe: Pantone 154U
= ████
Geruch: nach Rettich
Geschmack: nicht getestet

Bei diesem Fund musste ich die mikroskopischen Daten genau ermitteln - was ich normalerweise nicht so akribisch tue...

Mikroskopische Daten:
Es werden die Werte
nach Quantil-Verfahren mit 90%-Standardbereich herangezogen, da die verwendete Literatur "The Genus Hebeloma" - Fungi Europaei 14 - Baker, Eberhardt & Vesterholt (2016) ebenso mit diesem Verfahren arbeitet.

Breite der Spitzen der Cheilozystiden:
Präparat: Lamellenstück (Exsikkat) --> Ammo 10% --> Kongo NH3; Untersuchungsmedium: GSM; Messwertanzahl: n = 36
Test auf Normalverteilung nach Anderson Darling: normalverteilt
Arithmetischer Mittelwert Me: 5,3 µm; Standardabweichung S. D.: 0,39 µm; Median: 5,2 µm
Abmessungen nach Quantil-Verfahren: mit 80%-Standardbereich: (4,5) 4,8 - 5,7 (6,3) µm; mit 90%-Standardbereich: (4,5) 4,7 - 6 (6,3) µm
Abmessungen nach t-Verteilungsverfahren: mit 80%-Konfidenzintervall: (4,5) 4,7 - 5,8 (6,3) µm; mit 90%-Konfidenzintervall: (4,5) 4,6 - 5,9 (6,3) µm

Längen der Cheilozystiden:
Präparat: Lamellenstück (Exsikkat) --> Ammo 10% --> Kongo NH3; Untersuchungsmedium: GSM; Messwertanzahl: n = 71
Test auf Normalverteilung nach Anderson Darling: nicht normalverteilt
Arithmetischer Mittelwert Me: 47 µm; Standardabweichung S. D.: 14 µm; Median: 44 µm
Abmessungen nach Quantil-Verfahren: mit 80%-Standardbereich: (23) 30 - 67 (78) µm; mit 90%-Standardbereich: (23) 28 - 70 (78) µm
Abmessungen nach t-Verteilungsverfahren: nicht anwendbar, da nicht normalverteilt

Sporen:
glatt bis etwas körnig, mit großem Öltropfen, deutliche Apikulus, Sporenhüllen manchmal ablösend (ca. P1)

Sporendimensionen:

Präparat: Sporenabwurf; Untersuchungsmedium: GSM; Messwertanzahl: n = 125
Test auf Normalverteilung nach Anderson Darling: Länge: normalverteilt; Breite: normalverteilt; Q: normalverteilt
Standardabweichung S. D.: von L × B: 0,52 × 0,33 µm; von Q: 0,14; von V: 20 µm³
Median: von L × B: 9,45 × 5,28 µm; von Q: 1,8; von V: 139 µm³
Arithmetischer Mittelwert Me: von L × B: 9,52 × 5,27 µm; von Q: 1,81; von V: 139 µm³
Abmessungen nach Quantil-Verfahren mit 80%-Standardbereich:
für L × B: (8,33) 8,88 - 10,25 (10,57) × (4,44) 4,85 - 5,67 (6,14) µm; für Q: (1,52) 1,65 - 1,98 (2,24); für V: (89) 116 - 163 (201) µm³
Abmessungen nach Quantil-Verfahren mit 90%-Standardbereich:
für L × B: (8,33) 8,59 - 10,41 (10,57) × (4,44) 4,71 - 5,77 (6,14) µm; für Q: (1,52) 1,6 - 2,07 (2,24); für V: (89) 112 - 168 (201) µm³
Abmessungen nach t-Verteilungsverfahren: mit 80%-Konfidenzintervall:
für L × B: (8,33) 8,85 - 10,18 (10,57) × (4,44) 4,84 - 5,7 (6,14) µm; für Q: (1,52) 1,63 - 1,99 (2,24); für V: (89) 113 - 165 (201) µm³
Abmessungen nach t-Verteilungsverfahren mit 90%-Konfidenzintervall:
für L × B: (8,33) 8,66 - 10,37 (10,57) × (4,44) 4,72 - 5,82 (6,14) µm; für Q: (1,52) 1,58 - 2,05 (2,24); für V: (89) 106 - 172 (201) µm³

Zunächst schlüsselten wir diese Hebeloma nach dem ulta-grandiosem Werk "The Genus Hebeloma" - Fungi Europaei 14 - Baker, Eberhardt & Vesterholt (2016)
Ich kam bei 2 Optionen heraus.
Haupt-Schlüssel Seite 82:
1 > 1b > 2 > 2b > 3 > 3b > 4 > 4b > 5 > 5b > 7 > 7a > Sekt. Duracinus, Myxocybe, Naviculospora, Scabrispora & Syriense (Kap X)
Seite 87 >
1 > 1b > 2 > 2b > 3 > 3b > 4 > 4b > 6 > 6b > 7 > 7b > 12 > 12b > 15 > 15b > H. nanum

oder:
Seite 82:
1 > 1b > 2 > 2b > 3 > 3b > 4 > 4b > 5 > 5a > 6a > Sekt. Sinapizantia & Velutipes (Kap. IX)
Seite 86 > Sekt. Sinapizantia & Velutipes (Kap. IX) > 1 > 1b > 3 > 3b > 4 > 4b > 5 > 5b > 6 > 6a > H. incarnatulum

Aaaaber...
Was nicht zu H. nanum passt:

Stiellänge soll: max. nur 57 mm
Stieldurchmesser: soll: max nur 11 mm
Cheilozystiden Länge: soll: Länge (15) 17-53 (62) µm
Cheilozystiden Länge arith. Mittel: soll 22-39 µm
Cheilozystiden Länge Median: soll 21-38 µm
Cheilozystiden Länge Standardabweichung: soll 4,3 µm

Was nicht zu H. incarnatulum passt:
Sporenlänge: Sporen zu kurz - soll: (7,5) 8,4-13 (13,2)
Sporenbreite: Sporen zu schmal - soll: (5) 5,1-7,2 (7,6)
arith. Mittelwert der Sporenbreite aus dem Sollbereich 5,6-6,7 µm
Median der Sporenbreite aus dem Sollbereich 5,6-6,7 µm
arith. Mittelwert von Q der Sporen: soll: 1,55-1,78
Cheilozystiden zu kurz - soll: (32) 34-98 (139) µm
Median der Cheilozystiden außerhalb Sollwert: 47-82
Cheilozystiden Breite insgesamt zu gering.
Lamellenanzahl zu groß

Beides passt also eigentlich nicht....
Da keine Lösung in Sicht war hielt ich Rücksprache mit Professor Henry Beker (Mitautor des oben genannten Werkes).
Er bestätigte, trotz der abweichenden Daten.... Trommelwirbel....
Es handelt sich trotzdem um den Langstieligen Fälbling (Hebeloma incarnatulum):





Fundnummer: 2016-07-09-1514
Der lila Farbklecks im Walde... der Frauen-Täubling (Russula cyanoxantha:


Fundnummer: 2016-07-09-1526
Auf dem Rückweg zum Auto fanden wir noch einen Pilz...
Der Gerstenflugbrand (Ustilago nuda):




Natürlich nahm ich mir ein paar Speisepilze auf dieser Tour mit.
Hier seht Ihr die leckere Ausbeute:


Das war's für heute...
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