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09.09.2017: Viele Erstfunde, schwer
Bestimmbares und Leckereien - Teil 2
Liebe Pilz-Freunde,
dies ist Teil 2 des Berichtes vom 09.09.2017.
Teil 1 findet Ihr hier
Teil 3 findet Ihr hier
Und weiter geht's...
Fundnummer: 2017-09-09-1405
Die
Art finde ich nicht sehr oft, hier aber in Massen. Auch wenn wegen Maden nicht
so viel für die Pfanne blieb, die Fotos verderben einem die Viecher wenigstens
nicht.
Edel-Reizker (Lactarius deliciosus):

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Fundnummer: 2017-09-09-1412
Morphologische Daten:
Fundort: ca. 550 müNN. ca. N50, O12,
bei
Birke und Kiefer
Fundzeit: 09.09.2017
Wuchsform:
einige am Standort
Hutform:
schwach konvex bis flach, verbogen
Huthaut:
braun, nach außen hin
deutlich heller werdend,
unter Lupe netzartig
gefasert, etwas klebrig
Huthaut-Abziehbarkeit:
1/2 abziehbar
Hygrophanität:
nicht untersucht
Hutrand:
ist zwar nicht gerippt aber
aber die Durchscheinenden Lamellen lassen es so aussehen, kantig
Lamellen:
gelblich, Zwischenlamellen
Lamellenschneiden:
bräunlich, braunfleckend
Lamellen-Stielübergang:
fast ausgebuchtet
angewachsen aber eher gerade
Stiel:
bräunlich längs überfasert,
oben bereift, keulig aber Basis spitz zulaufend,
längsfaserig, hohl
Stielbasis:
spitz
zulaufend
Fleisch:
im Stiel hellgelb mit bräunlichem Zentrum, im Hut weiß mit
bräunlichem Zentrum
Größe: Hutdurchmesser ca.
6-9 cm,
Stiellänge ca.
5-7 cm
Stieldurchmesser
an der dicken Stelle 1,2-2
cm
Sporenpulverfarbe:
rein weiß
Geruch:
unzerrieben & zerrieben: mehlig
Geschmack:
mehlig, unangenehm, ganz
leicht bitterlich
Wegen er Hutrandrippung, dem Geschmack und dem Geruch ist das der
Gelbblättrige Ritterling (Tricholoma
fulvum):

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Fundnummer: 2017-09-09-1431
Auch
ein wunderbarer Erstfund für mich:
Violetter Becherling (Peziza violacea):

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Asci:

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Fundnummer: 2017-09-09-1437
Morphologische Daten:
Fundort:
ca.
550
müNN. ca. N50, O12, bei
Fichte und Birke
Fundzeit: 09.09.2017
Wuchsform:
gesellig
Hutform:
konvex
Huthaut-Konsistenz:
glatt, etwas glänzend
Huthaut-Farbe:
fleischrosa bis zu grauweiß
ausgeblasst, glänzend,
Huthaut-Abziehbarkeit:
1/4 bis 1/3 abziehbar
Fleischfarbe unter Huthaut:
rosa
Hut-Fraßstellen-Rand-Verfärbung: keine
vorhanden
Hutrand:
kantig,
nicht gerieft
Lamellen:
cremeweiß,
mit Zwischenlamellen
Lamellenschneiden: ohne Besonderheiten
Lamellensprödigkeit:
nicht besonders spröde
Lamellen-Stielübergang:
gerade angewachsen
Stiel:
weiß,
leicht grauend, etwas runzelig,
etwas keulig,
voll, nicht wattig
ausgestopft
Stielbasis:
rund
Fleisch: ohne Besonderheiten
Größe:
Hutdurchmesser
bis 5 cm, Stiellänge
2-4 cm, Stieldurchmesser ca.
7-12 mm
Sporenpulverfarbe:
am
ehesten: IId
im direkten Vergleich mit der Marxmüller-Tafel,
IIIa
im direkten Vergleich mit der Romagnesi-Tafel
Geruch:
absolut neutral
Geschmack:
scharf aber erträglich und
scharf bleibend
Makrochemische Reaktionen:
Guajak:
nach 20 Sek. blaugrün, nach 25 sek. stark
blaugrün
Anilin pur: keine Reaktion
Eisensulfat FeSo4: keine Reaktion
Phenol: nach 2 Minuten blass-rosa, nach 5 Minuten weinrot
KOH 40%: keine Reaktion
Nicht häufig bei uns: der
Verblassende Täubling (Russula exalbicans):

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Fundnummer: 2017-09-09-1510
Morphologische Daten:
Fundort:
ca.
550
müNN. ca. N50, O12, bei
Birke und Weide auf
Laubstreu und Ästchen
Fundzeit: 09.09.2017
Wuchsform:
gesellig bis büschelig
Hutform:
Mitte vertieft
Huthaut:
cremeweiß, mit rosa
Schimmer, matt, trocken
Hutrand:
gerieft, mehlig bereift,
flattrig, kantig, feinst eingerollt
Lamellen:
cremeweiß, sehr viele
Zwischenlamellen, sichelförmig
Lamellenschneiden:
vollkommen glatt auch unter
der Lupe
Lamellen-Stielübergang:
herablaufend
Stiel:
weiß und rosalich, innen
etwas weichlich ausgestopft
Stielbasis:
weiß, stark myzelfilzig,
rund bis etwas spitz zulaufend
Fleisch:
weiß, ganzer Pilz sehr elastisch gummiartig
Größe:
Hutdurchmesser
2-5 cm, Stiellänge
ca. 3 cm, Stieldurchmesser ca.
5 mm
Sporenpulverfarbe:
rein weiß
Geruch:
am Fundort: nur pilzig,
zuhause: pilzig und etwas süßlich fruchtig
Geschmack:
sehr stark irgendwie "nicht
gut pilzig ranzig"
Auch ein sehr schöner
Erstfund:
Weißer Holztrichterling (Clitocybe truncicola):

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Fundnummer: 2017-09-09-1526
Morphologische Daten:
Fundort: ca. 550 müNN. ca. N50, O12, bei
Pappel, Birke, Weide und
Fichte
Fundzeit: 09.09.2017
Wuchsform:
einige am Standort
Hutform: kugelig bis konvex
Huthaut:
graubraun, samtig
Hutrand: ohne Besonderheiten
Röhren:
grau-cremefarben, auf Druck:
verfärben zu grau
Stiel:
schwärzliche Flocken auf
weißem Grund,
keulig
Stielbasis:
rund,
Fraßstellen blau
Fleisch-Verfärbung:
nach 2 Minuten im Hutfleisch
rosa-rötlich und im Stiel und Basis tut sich zunächst nichts, nach 40 Minuten:
Violett im Hutfleisch und nach unten rötlich
Geruch:
im Schnitt harzig
Der
Pappel-Raufuß (Leccinum duriusculum):

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Hier seht ihr mal die Verfärbung im Fleisch:

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Fundnummer: 2017-09-09-1539
Voucher: DW201709091539
Matthias schrieb dazu im Jahr 2017:
Dieses braune Graublatt ist für mich aktuell nicht
bestimmbar. Mit der Sporengröße kann man alles ausschließen. T. cessans kommt
noch hin, aber auch für den sind die Sporen zu klein, zu länglich und es fehlen
die Zystiden. Das was ich optisch gedacht hätte (inolens/boudieri) hätte alles
deutlich größere Sporen, der hier hat Sporen konstant unter 6µm Länge.
Im Jahr 2023 kamen wir dann endlich dazu die Sequenzierung zu machen.
Hier der verkürzte Bericht dazu:
Auswahl der Loci für die Sequenzierung
Die Familie Lyophyllaceae ist nur
lückenhaft phylogenetisch geklärt. Es sind kaum Sequenzdaten für die höhere Phylogenie vorhanden. Allerdings liegen
bereits einige Sequenzdaten für die niedere Phylogenie vor. Manchmal reicht die
Aufnahme der ITS1/2 aus, manchmal nicht.
Deshalb wurde zu Beginn nur die ITS1/2 sequenziert. Als Primer
wurde zunächst der ITS4 Primer verwendet, welcher auch funktionierte.
Prüfung der Rohdaten
Nach der DNA-Extraktion, Amplifikation
und Sequenzierung lagen die Rohdaten als Rückwärtssequenz vor.
Das Reverse
Complement der Rohdaten wurde zunächst optisch am ITS Chromatogramm geprüft:

Es lag keine Dachschräge und kein kein sudden drop vor, der Verlauf war
einwandfrei.
Anhand der Confidence Scores der Rohdaten wurden unsichere
Sites ermittelt:

Die gelben Bereiche sind schlechte Confidence-Scores.
Die grünen Bereiche
sind potentielle Polymorphe.
Diese Sites müssen geprüft werden (siehe
nachfolgend).
ITS-Sequenzsammlung
Die
ITS-Sequenzsammlung wird um Zeit zu sparen gleich für folgende Analyse-Schritte
durchgeführt:
Quellenauswahl für die Sequenzsammlung: Die
ITS-Sequenzen werden gesammelt von NCBI und Unite.
Es wurden insgesamt 1200
ITS-Sequenzen gesammelt. Davon 745 von Environmental Samples. In der Ingroup
verblieben am Ende aber nur 17 und in der Outgroup nur 3. Die große Menge war
für die nachfolgenden Prüfungen erforderlich und wurde dann weiter auf die Menge für das finale Phylogramm reduziert.
Prüfung und Korrektur der Rohsequenz und Basecalling
Für die Divergenz-Matrix konnten alle Sequenzen der Ingroup verwendet werden.
Als Alignisierungs-Software wurde Mafft Version 7.520 gewählt. Als
Aliginisierung-Strategie wurde FFT-NS-2 welche für die Divergenz-Matrix völlig
ausreicht.
Das Ergebnis der Prüfung der Rohsequenz:
Anfang: CTTCTTTGGTTTCCCA muss gelöscht werden; TTAGAG
ist korrekt.
Site 528: korrekt – ist ein G
Site 529: Ist ein Problem. T
kommt nicht vor in der kompletten Matrix, C kommt bei naheliegenden vor. In den
Environmentals fehlt die Base weil zu kurz. Da unklärbar, Polymorph, C oder T.
Polymorph – geändert auf Y
Site 530: korrekt – ist ein A
Site 605: korrekt
– ist ein T
Site 606: korrekt – ist ein G
Site 611: korrekt – ist ein A
Site 625: korrekt – ist ein T
Site 628: korrekt – ist ein C
Site 631:
korrekt – ist ein C
Ende: Nur NGNNNNNNN muss gelöscht werden, Rest ist OK
Die finale ITS-Sequenz des Fundes lautet somit:
>DW201709091539_final
TTAGAGGAAGTAAAAGTCGTAACAAGGTTTCCGTAGGTGAACCTGCGGAAGGATCATTATTGAATAAACTTGGTTAGGTT
GTTGCTGGCTCCTTGGAGCATGTGCACGCCTAGCACCAATTTTACCACCTGTGCACCTTTTGTAGACTTTGGAGTGCTTG
CGCTCCATAGTTTATGTCTTCACATATACACATGAATGTAACAGAATGTCATTAACGGGCCATTTAGTGCCTTTACAAAT
GAAATACAACTTTCAACAACGGATCTCTTGGCTCTCGCATCGATGAAGAACGCAGCGAAATGCGATAAGTAATGTGAATT
GCAGAATTCAGTGAATCATCGAATCTTTGAACGCACCTTGCGCTCCTTGGTATTCCGAGGAGCATGCCTGTTTGAGTGTC
ATTAAATTCTCAACCTTTTCAACTTTTGTTAGTTGCTCAGGCTTGGATTGTGGGGGTTGCGGGCTTCTCGGAAGTCGGCT
CTCCTTAAATACATTAGCAGAAACCTTTGTTGYATTAGCTCCGGCGTGATAATTATCTACGCCGTATGTGAAACAACTCT
TATACGGTTTAGCTTTCTAATAGTCCTTTGGGACAAACTCTTGACAATTGACCTCAAATCAGGT
GenBank Eintrag
Die Sequenz wurde bei GenBank hinterlegt:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/nuccore/OQ826527
Vorprüfung,
Aussortierung und Erstellen des finalen Alignments
Der Fund
landet in eine Klade die zwar phylogenetisch klärbar ist, aber noch nicht
korrekt kombiniert ist. Wir überlegten, ob wir diese Klärung in Zuge der
Fundanalyse machen. Zur eindeutigen Klärung müsste ein Supertree berechnet
werden. Er zeitliche Aufwand ist so groß, dass wir dies derzeit nicht angehen
können. Wir beschränkten uns deshalb auf die reine Fundbestimmung.
Entsprechend haben wir den sehr großen Baum auf die minimal nötige Klade
beschränkt und 3 Taxa für die Outgroup belassen.
Die verbleibenden
Sequenzen wurden neu aligined mit Prank (ohne Switches).
Folgende Liste
zeigt die verbleibenden Sequenzen im Alignment:

Gap-Coding
Für das Gap-Coding wurden die Indel-Matrizen gecoded.
Für die
vorliegende Studie wurde das SIC-Verfahren „Simple Indel Coding“ gewählt. Als
Codiersoftware wurde SeqState gewählt.
Partitionierung
Für diese
sehr einfach Studie wurde die ITS nicht weiter partitioniert. Es wurden also nur
2 Partitionen verwendet
Phylogrammberechnung
Das finale
Phylogramm wurde mit RAxMLberechnet.
Evolutionsmodell
DNA: GTR+G
Evolutionsmodell
Indels: BINARY+G+A
Correct for
Ascertainment bias: Ja, nach Paul Lewis
Finales
Phylogramm
Der berechnete
best tree wurde übersetzt und gerootet an der finalen Outgroup. Die Knoten <50%
wurden kollabiert. Die Outgroup wurde ebenso kollabiert.
Finales Ergebnis:
Bestimmung
des Fundes und Hinweis zu den noch fehlerhaften Gattungsnamen
Da die Klade in
der sich der Fund befindet sich phylogenetisch deutlich von den anderen trennen
lässt kann der Fund eindeutig zugeordnet werden.
Allerdings kann "Tephrocybe"
confusa nicht zur Gattung Tephrocybe gehören, genauso wie "Lyophyllum" turcicum
nicht zu Lyophyllum gehört. Dies ist deshalb so, weil der phylogenetische
Abstand zu hoch ist, sich eine große Deletion in der Klade /confusa befindet und
die Kladen durch andere Gattungen (z.B. Hypsizygus, Atractosoprocybe und
Leucocybe) eben von Tephrocybe und Lyophyllum abgetrennt sind.
Wir belassen
die Namen so, weil sie derzeit so gültig sind. Vielleicht findet jemand mal die
Zeit um hier eine Neuordnung anzugehen.
Unabhängig davon ist jedoch eine
Sache sicher: Alle Funde in der Klade sowie unser Fund sind nur eine einzige Art. Ohne
den Typus von "Tephrocybe" confusa sequenziert zu haben ist der Name
der Klade zwar nicht 100% sicher aber sehr, sehr wahrscheinlich. Wir können
unseren Fund also guten Gewissens "Tephrocybe" confusa
benennen.
Und hier seht Ihr nun den Fund:
Dickstieliges Graublatt ("Tephrocybe" confusa):

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HDS - genauer: Hauptsächlich die Schichten unterhalb der
eigentlichen HDS:

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Sporen:

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Fundnummer: 2017-09-09-1542
Hier
wieder mal ein Beispiel dafür, dass M. limosus nicht nur an Schilf/Rohrglanzgras
vorkommt. Hier wuchsen die Pilzchen auf einem grasigen, sehr feuchten Waldweg.
Man muss aber schon sehr genau hinsehen, um sie zu entdecken.
Schilf-Schwindling (Marasmius limosus):

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