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.08.2016: Alle Farben auf Magerrasen - Teil 3

Liebe Pilz-Freunde,
dies ist Teil 3 des Berichtes vom 13.08.2016.

Teil 1 findet Ihr hier
Teil 2 findet Ihr hier
Teil 4 findet Ihr hier
Teil 5 findet Ihr hier

Und weiter geht's...

Fundnummer: 2016-08-13-1107
Auch hier wird Nobi wohl wieder zweifeln? :), da dieser nicht immer herablaufende Lamellen hat.
Ein sehr toller Erstfund für uns beide: Graubrauner Samtschneckling (Camarophyllopsis schulzeri):






















Fundnummer: 2016-08-13-1122
Den folgende Wahnsinns-Fund (extrem selten!) war kein Erstfund für uns - jedoch natürlich toll zu sehen.
Schwärzender Wiesenritterling (Porpoloma metapodium)
:







Fundnummer: 2016-08-13-1140
Damals war diese Art für mich ein Erstfund, inzwischen kenne ich die Art von vier Standorten.
Mattweißer Rötling (Entoloma sericellum)
:










Fundnummer: 2016-08-13-1147
Auch von dieser Art ist uns bis heute kein weiterer Standort bekannt.
Ebenso für mich ein Erstfund der
Gelbfüßige Ellerling (Cuphophyllus flavipes):










Fundnummer: 2016-08-13-1153

Bei dieser äußerst interessanten Entoloma entstand das Problem, dass die Nomenklatur der in Frage kommenden Arten schwer nachvollziehbar ist. Die entscheidenden Hinweise fand ich dann jedoch in der Österreichischen Zeitung für Pilzkunde 17 (2008) im Artikel "Entoloma in North America 2: the species described by C. H. PECK - type studies and comments" von Machiel Noorderloos. Dor ab Seite 97 - Kapitel "cyaneus". Die genaue Geschichte kann dort nachgelesen werden - was ich hier abkürze und von Folgendem ausgehen muss:

Entoloma tjallingiorum - Noorderl. ist die gleiche Art wie:
Agaricus cyaneus - Peck (non Agaricus cyaneus Bull)
Entoloma cyaneum - [Peck—>] Sacc
Agaricus dichrous (var. dichrous!) - Pers.
Rhodophyllus dichrous
Entoloma dichroum
--> das ist bereits gut bekannt. Der entscheidende Hinweis aber ist, dass Murrill den Namen "Entoloma violaceum" einführte um das cyaneum/cyaneus-Probelm "zu lösen".
Das bedeutet also dass Entoloma violaceum = Entoloma tjallingiorum.
Somit war die zunächst mit in die nähere Auswahl kommende Art "Entoloma violaceum" vom Tisch, denn deren Cheilozystiden haben eine andere Form als unser Fund.

Die Annahme von Kuo, dass Entoloma jubatum eventuell gleich Entoloma violaceum sei, ist falsch, zum einen aus der obigen Erkenntnis, zum anderen deshalb weil das entscheidente Trennungs-Merkmal von Entoloma jubatum die (grau)braunen Lamellen sind. Entoloma jubatum scheidet genau deshalb auch für unseren Fund aus.

Entoloma velatum unterscheidet sich von Entoloma tjallingiorum hauptsächlich in der Pigmentierung der Huthaut-Hyphen, weshalb auch diese Art für unseren Fund ausscheidet.

Bleibt noch Entoloma porphyrophaeum übrig.
Und hier stimmt alles, der Standort, Fruchtkörpergröße, Huthaut, auch die Rotbraune Farbe mit Purpur-Ton und vor allem die Mikromerkmale. Zu beachten ist der Hinweis z.B. von Ludwig, dass die Sporenmaße stark schwanken können (siehe Pilzkompendium Band II Seite 468).


Mikroskopische Daten:

Basidien:
4-sporig, selten 2-sporig

Sporen:

heterodiametrisch, 6- bis vieleckig
Präparat: aus Lamellenstück (Exsikkat) ausgewaschen; Untersuchungsmedium: GSM; Messwertanzahl: n = 60
Test auf Normalverteilung nach Anderson Darling: Länge: nicht normalverteilt; Breite: normalverteilt; Q: nicht normalverteilt
Standardabweichung S. D.: von L × B: 0,6 × 0,4 µm; von Q: 0,1
Median: von L × B: 8,9 × 6,1 µm; von Q: 1,5
Arithmetischer Mittelwert Me: von L × B: 9,1 × 6,2 µm; von Q: 1,5
Abmessungen nach Quantil-Verfahren mit 80%-Standardbereich: für L × B: (8) 8,5 - 10,1 (10,5) × (5,4) 5,7 - 6,7 (7,6) µm; für Q: (1,3) 1,4 - 1,6 (1,8)
Abmessungen nach Quantil-Verfahren mit 90%-Standardbereich: für L × B: (8) 8,4 - 10,3 (10,5) × (5,4) 5,7 - 6,8 (7,6) µm; für Q: (1,3) 1,4 - 1,7 (1,8)
Abmessungen nach t-Verteilungsverfahren: nicht anwendbar, da nicht normalverteilt




Cheilozystiden:
vielgestaltig, Spindelförmig oder auch mit Hals, Bauchteil stets verdickt, Hals oft mehrfach eingeschnürt, oft mit kopfigem Ende, auch basal 1-2 fach septiert, ca. 30 - 55 x 10 - 20 µm

Die Cheilozystiden waren schwer zu finden und schwer zu fotografieren - hier das Ergebnis:



HDS:
Bestehend aus flach liegenden, zylindrischen Hyphen, manchmal mit leicht verdickten Enden, Pigment intrazellulär, Breite ca. (4,4) 5,2 - 10,1 (11,3) µm




Mit diesen Daten ist der Pilz quasi eindeutig der Porphyrbraune Rötling (Entoloma porphyrophaeum):













Fundnummer: 2016-08-13-1202
Schöne kleine Sattellorcheln (Helvella ephippium):


















Fundnummer: 2016-08-13-1209
Kreidiger Räsling (Clitopilus scyphoides)
:









Fundnummer: 2016-08-13-1215
Dann die Goldgelbe Wiesenkeule (Clavulinopsis helvola):



Fundnummer: 2016-08-13-1225

Ein weiterer Saftling, der gar nicht so trivial war...

Morphologische Daten:

Fundort: ca. 550 müNN. ca. N50, O12, auf Magerrasen
Fundzeit: 13.08.2016
Wuchsform: einzeln
Hutform:
unförmig, verbogen, mit Buckel
Huthaut: gelb, mit orangen Flecken, radialfaserig, glänzend, etwas klebrig
Hygrophanität: nicht festgestellt
Hutrand: etwas nach unten eingerollt
Lamellen: gelb, Zwischenlamellen, entfernt stehend, manchmal mit roten Punkten
Lamellenschneiden:
ohne Besonderheiten

Lamellen-Stielübergang:
tief ausgebuchtet angewachsen, fast frei

Stiel: orangegelb, nach unten gelb werdend, längsfaserig, unrund, längs-gespalten, gerade, trocken
Stielbasis: rund
Fleisch:
ohne Besonderheiten
Größe: Hutdurchmesser ca. 3 cm, Stiellänge ca. 4 cm, Stieldurchmesser ca. 5 mm
Sporenpulverfarbe: nicht bewertet
Geruch: neutral
Geschmack: nicht bewertet


Morphologisch kommen hier 3 Arten in Betracht:
Hygrocybe acutoconica
Hygrocybe subglobispora = Hygrocybe acutoconica var. konradii
Hygrocybe aurantiosplendens (passt optisch eigentlich nicht)

Diese sollten alleine durch die Sporenmaße, Sporenform und Anteil an eingeschnürten Sporen unterschieden werden können. Deshalb untersuchte ich die Sporen und zur Absicherung noch das Lamellentrama.


Mikroskopische Daten:

Trama-Hyphen: ca. 11 µm breit, sicherlich länger als 1000 µm, mit zugespitzten Enden




Basidien:
ausschließlich 2-sporig, keulig
Maße: ca. 31 - 36 × 10 - 12 µm


Sporen:
nicht eingeschnürt, quasi ellipsoid/ovoid
Maße:
Präparat: aus Lamellenstück (Exsikkat) ausgewaschen; Untersuchungsmedium: GSM; Messwertanzahl: n = 19
Test auf Normalverteilung nach Anderson Darling: Länge: nicht normalverteilt; Breite: normalverteilt; Q: normalverteilt
Standardabweichung S. D.: von L × B: 0,7 × 0,6 µm; von Q: 0,1
Median: von L × B: 11,4 × 6,4 µm; von Q: 1,7
Arithmetischer Mittelwert Me: von L × B: 11,1 × 6,4 µm; von Q: 1,8
Abmessungen nach Quantil-Verfahren mit 80%-Standardbereich: für L × B: (9,9) 10,2 - 11,8 (12,4) × (5,1) 5,5 - 7,1 (7,4) µm; für Q: (1,5) 1,6 - 1,9 (2)




Damit
ist das der Safrangelbe Saftling 2-sporig (Hygrocybe acutoconica) - auch wenn dieser laut Literatur eine weiß-filzige Stielbasis haben sollte:






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