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11.09.2
015: Mal ein paar Speisepilze - und mehr...
Liebe Schwammer-Freunde,
eigentlich wollte ich heute nicht groß Bilder machen, und nur schnell ein paar Speisepilze pflücken.
Man kann sich ja vor Pilzen nicht retten in diesen Tagen.
"Naja, nehm' ich mal meine Fotorumpel die inzwischen schon aus dem letzten Loch pfeift mit" dachte ich mir.
Kurz danach ist von der Fotorumpel auch ein Bein abgefallen.
Hab aber ein paar schöne Aufnahmen machen können - schaut es Euch an...
Wenn ich zeit habe nehm' ich die Rumpel mal auseinander und mach sie wieder gut.

Das erste was ich fand - verursachte mir zuerst Kopfkratzen.
Junge frische Fliegenpilze OHNE Punkte und seltsame Scheiden die ich vom Fliegenpilz nicht kenne.
Abgewaschene Punkte sind schon klar - aber das war hier nicht der Fall.
Schnell fand ich heraus dass es eine Varietät gibt nämlich "
aureola" - und die sollte es sein.

Ich darf Euch also vermutlich präsentieren: Der Orangegelbe Fliegenpilz (Amanita muscaria var. aureola).
Wunderschön anzuschauen:


Der nächste war ein zunächst unklarer Helmling:

Fundort:

ca. 550 müNN. ca. N50, O12, im Laubwald
Fundzeit:
11.09.2015
Wuchsform:
paarweise
Hutform:

halbrund, alt abgeflacht
Huthaut:
grau
Hygrophanität:
vermutlich ja

Hutrand:
leicht gerieft
Lamellen:
weiß, mit Zwischenlamellen, ohne Y-Gabeln
Lamellenschneiden:
weiß beflockt

Lamellen- Hutübergang:

leicht ausgebuchtet
angewachsen und herablaufend
Fleisch:
grau
Stiel:
grau, hohl, bereift
Stielbasis:

normal
Größe:

Hutdurchmesser ca. 1,5 cm; Stiellänge 7 cm, Stieldurchmesser ca. 1,5 mm
Sporenpulverfarbe:
es kam nichts heraus
Geruch:
etwas muffig und leicht nach Rettich
Geschmack:
nicht probiert

Die Bestimmung war aufwändiger, aber hat dann doch ein eindeutiges Ergebnis gebracht.
Es ist der Graue Nitrathelmling (Mycena leptocephala):

Mikroskopisches Ergebnis:

Das erste mal in diesem Jahr: der Gemeine Rettichhelmling (Mycena pura):

Ebenso das erste mal: Der Grüne Anistrichterling (Clitocybe odora) - und das Bild gefällt mir sehr gut:

Der nächste:

Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, am Wegrand zu einem Nadelwald im Gras
Fundzeit:

11.09.2015
Wuchsform:
paarweise
Hutform:

halbrund bis glockig
Huthaut:
im Zentrum beige, nach außen rosa werdend
Hygrophanität:
ja

Hutrand:
gerieft, gezahnt
Lamellen:
schwarzbraun, mit Zwischenlamellen, ohne Y-Gabeln
Lamellenschneiden:
rosa bis rötlich
Lamellen- Hutübergang:

gerade
angewachsen
Fleisch:
zerbrechlich
Stiel:
weiß, hohl, glänzend
Stielbasis:

filzig, leicht verdickt
Größe:

Hutdurchmesser ca. 1-2 cm; Stiellänge 8 cm, Stieldurchmesser ca. 1,5 mm
Sporenpulverfarbe:
fast schwarz, minimal lila
Geruch:
unbedeutend
Geschmack:
nicht probiert

Die nächsten Bilder sollten alle den gleichen Pilz in verschiedenen Altersstadien zeigen...
Nämlich den Rotschneidigen Wegrandmürbling (Psathyrella prona) - kann aber auch ein andere sein - checke ich noch:

Auch der nächste schreit nach Mikroskop.
Aber vermutlich ist es der Gelbschuppige Tintling (Coprinellus xanthothrix):

Ja dann ein Rötling:

Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, im Nadelwald in einer moosigen feuchten Stelle
Fundzeit:

11.09.2015
Wuchsform:
einzeln
Hutform:

flach mit leichter mittiger Delle
Huthaut:
im Zentrum braun, nach außen hin beige werdend, Lamellen durchscheinend, mit winzigen weißen schüppchen
Hygrophanität:
nicht erkennbar
Hutrand:
kantig
Lamellen:
beige, rötend, mit Zwischenlamellen, ohne Y-Gabeln
Lamellenschneiden:
bogenförmig

Lamellen- Hutübergang:

frei
Fleisch:
zerbrechlich
Stiel:
beige, oben heller, hohl
Stielbasis:

normal
Größe:

Hutdurchmesser ca. 2 cm; Stiellänge 8 cm, Stieldurchmesser ca. 1,5 mm
Sporenpulverfarbe:
Pantone 471
Geruch:
neutral
Geschmack:
nicht probiert

Evtl. ein Kreuzsporiger Rötling (Entoloma conferendum), oder was in der Richtung:

Ja, die schönen Grünschneidigen Helmlinge (Mycena viridimarginata) waren auch da:

Der Pilz des Tages war jedoch der Sandröhrling (Suillus variegatus) - in unzähligen Massen überall zu finden:

In einem Buchenabschnitt dann der Brennende Rübling (Gymnopus peronatus):

Ja, und auch das erste mal in diesem Jahr:
Violette Lacktrichterlinge (Laccaria amethystea) - dich ich gerne mag als Speisepilze:


Und es ging weiter mit einem zunächst völlig unklaren Scheidenstreifling.
Ich musste ihn mikroskopieren (siehe unten). Erst nach mehreren Anläufen konnte ich ihn bestimmen.
Es war nichts anderes als der Grauhäutige Scheidenstreifling (Amanita submembranacea):

Sporen Ergebnisse:
10.21 - 12.2 x 10.2 - 13.6 µm
Q = 0.9 - 1 ; N = 5

Me = 11.4 x 11.6 µm ; Qe = 1

In der Volva war folgendes zu sehen - Eindeutig auberginenförmig bis kugelförmig:

Tja, nun wurde es schwierig.
Es kamen submembranacea und crocea in Frage.
Welchen Unterschied haben submembranacea und crocea?
Ich konnte einen deutlichen Unterschied in der Huthaut finden.
Und zwar hat submembranacea Septen in der Huthauthyphen, crocea hin gegen hat laut Ludwig septenlose Huthauthyphen.
Also muss ich die Huthaut mikroskopieren - und die sah so aus:

Dann ein wunderschönder winziger Schleimpilz mit 0,5- 1,5 mm Größe.
Matthias meint hier kommt evtl.  Lycogala exiguum in Frage.
Naja, auch das kläre ich natürlich noch - aber schaut Euch das mal an - die Farbe ist 100% nicht nachbearbeitet.
Ist das nicht toll? Der Pilz hatte Boxhandschuh-Form. Auch einen Gnolm (der Rotnasige Himmelsgucker) kann man hier sehen ;-)

Der nächste war ein etwas komplizierter Täubling:

Fundort: ca. 550 müNN. ca. N50, O12, im Fichten- und Kieferwald, Buchen untermischt. Direkt an Holz unter Erde wachsend
Fundzeit: 11.09.2015
Wuchsform: einzeln
Hutform:
halbrund
Huthaut-Konsitenz: glatt, leicht glänzend
Huthaut-Farbe: Zentrum olivebraun, außen weinrot
Huthaut-Abziehbarkeit:
1/2 abziehbar
Fleischfarbe unter Huthaut
: deutlich rosa
Hut-Fraßstellen-Rand-Verfärbung: Rand rosa
Hutrand: leicht gerieft
Lamellen: creme, fast weiß, weit entfernt stehend, mit Zwischenlamellen, mit Y-Gabeln am Hutrand, queradrig verbunden,
Lamellensprödigkeit: brüchig
Lamellen-Stielübergang:
gerade angewachsen
Fleisch:
weiß, leicht gilbend im Schnitt
Stiel: weiß, fest, innen etwas weicher, beim Trocknen gilbend
Verfärbungen auf Druck: keine
Stielbasis: normal rund
Größe: Hutdurchmesser 7 cm; Stiellänge 7 cm, Stieldurchmesser ca. 15 mm
Sporenpulverfarbe: Pantone 7499U, das ist IIb nach Romagnesi (auch im Direktvergleich mit der Romagnesi-Tafel)
Geruch: leicht obstartig, kein Jodoformgeruch
Geschmack: scharf

Makroskopisch ein Schwarzroter Spei-Täubling (Russula atrorubens).
Wegen der Unsicherheit untersuchte ich diesen aber mikroskopisch.

Basidien:
4-sporig
34.6 - 40.4 x 8.2 - 9 µm
Q = 4 - 4.6 ; N = 7

Me = 37.7 x 8.6 µm ; Qe = 4.4

Sterigmen:
6 - 7.5 µm
N = 7
Me = 6.5 µm

Sporen:
(5.5) 5.9 - 7.2 (7.8) x (4.4) 4.7 - 5.7 (6.2) µm
Q = (1.1) 1.2 - 1.3 (1.4) ; N = 63
Me = 6.5 x 5.2 µm ; Qe = 1.2

Ornament:
Warzen netzig verbunden, teilweise auch Perlschnur-Ketten formend

Warzenhöhe:

in der Regel sehr niedrig. Jedoch ausnahmen vorhanden
(0.2) 0.3 - 0.6 (0.7) µm
N = 30
Me = 0.5 µm
--> das ist D1 bis E2 nach Woo

Apikulus:
(1.3) 1.5 - 1.8 (2) x (0.5) 0.7 - 1.06 (1.1) µm
Q = (1.5) 1.53 - 2.4 (3.3) ; N = 18

Me = 1.7 x 0.9 µm ; Qe = 2

Cheilos & Pleuros:
sehr häufig
spindelförmig, selten keulenförmig
manchmal appendikuliert
 
(39.9) 42.2 - 54.1 (54.3) x (7.4) 7.5 - 8.3 (8.6) µm
Q = (4.8) 5.5 - 6.9 (7.3) ; N = 13
Me = 48.4 x 7.9 µm ; Qe = 6.1

Pileozystiden :
zylindrisch bis keulig
häufig
unseptiert bis ?-fach septiert
35 - 46 x 5 - 7.4 µm
Q = 6.1 - 7 ; N = 8
Me = 39.6 x 6 µm ; Qe = 6.6

Endhyphen:
manchmal spitz (fast crin-artig), aber meistens stumpf
oft bauchig aufgeblasen
häufig gegabelt
manchmal mit seitlichen Auswüchsen

1-2 septiert

(0.9) 1.4 - 3 (4.3) µm
N = 26
Me = 2.3 µm

 

Nach Auswertung der Daten kommt man auf diese Verwechslungspartnergruppe aus der größeren Gruppe der kleinsporigen scharfen Russula:

Wässriger Moor-Täubling (Russula aquosa)
Buchen-Spei-Täubling (Russula nobilis)
Karminroter Täubling (Russula rubrocarminea)
Vielfarbiger Täubling (Russula versicolor)
Schwarzroter Spei-Täubling (Russula atrorubens)

Russula aquosa
scheidet aus wegen der oliven Farbtöne und der Hutrandriefung. Und eigentlich auch wegen dem Standort.

Russula nobilis
scheidet aus wegen der oliven Farbtöne

Russula versicolor
scheidet aus wegen der Fleischfarbe unter der Huthaut, Sporenpulverfarbe und wegen der Begleitbäume.

Russula rubrocarminea
scheidet aus wegen der Warzenhöhe und der nicht wirklich passenden anderen Merkmale die nur den Grenzbereich von rubrocarminea streifen.

Russula atrorubens bleibt also übrig.
Dieser Pilz ist widersprüchlich von den verschiedenen Autoren beschrieben, wie die meisten Täublinge.
Ebenso sind quasi alle Beschreibungen ungenau und lückenhaft.
Die Merkmale sind aber nach genauen Vergleich der verschiedenen Quellen gut bis einwandfrei passend.

Es bleibt also auch mikroskopisch dabei - der Schwarzrote Spei-Täubling (Russula atrorubens):

Und schon fanden sich die nächsten Täublinge:

Fundort: ca. 550 müNN. ca. N50, O12, im Fichten- und Kieferwald.
Fundzeit: 11.09.2015
Wuchsform: einige nebeneinander
Hutform:
halbrund
Huthaut-Konsitenz: glatt, leicht glänzend.
Huthaut-Farbe: Zentrum rotbraun, nach außen heller zu rötlich ocker werdend
Huthaut-Abziehbarkeit:
vergessen zu testen
Fleischfarbe unter Huthaut
: vergessen zu testen
Hut-Fraßstellen-Rand-Verfärbung: gelblich, eine jedoch rötend
Hutrand: leicht gerieft
Lamellen: gelblich, queradrig verbunden, mit Y-Gabeln in Nähe des Stiels
Lamellensprödigkeit: in diesem Alter nichts aussagend
Lamellen-Stielübergang:
leicht ausgebuchtet angewachsen
Fleisch:
weiß
Stiel: weiß, nach unten hin gelblich verfärbend, zusammendrückbar, innen kammerig und wattig ausgestopft, keulig
Verfärbungen auf Druck: gelblich am Stiel
Stielbasis: normal rund
Größe: Hutdurchmesser 2-4 cm; Stiellänge 3-5 cm, Stieldurchmesser ca. 10-15 mm
Sporenpulverfarbe: es kam nichts heraus
Geruch: neutral
Geschmack:
mild (unmittelbar und auch nach 1 Minute Kauen)

Das ist zweifelsfrei der Milde Wachs-Täubling (Russula puellaris):

Lecker lecker Cortinarius!
Der Reifpilz (Cortinarius caperatus) - immer her damit:

Ja, ein überall-Pilz - der Gefleckte Flämmling (Gymnopilus penetrans):
Hier gefiel mir aber "Papa, Kind und Säugling":

Auch die nächsten schmecken mir - Rötliche Lacktrichterlinge (Laccaria laccata):

Der Amiant Körnchenschirmling (Cystoderma amiantinum) ließ sich blicken:

Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) - überall in Massen:

OK, OK, auch ein paar Fichtensteinpilze (Boletus edulis) zeige ich Euch natürlich.
Es hätte viele mehr gegeben - aber ich nehme nur das mit was ich auch essen kann:

Ja, das reichte mir dann auch gut für heute.
Die Ausbeute:

Das war's für heute....
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