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28.07.2
015: Magerrasen mit tollen Pilzen
Liebe Schwammer-Freunde,
nach der Arbeit besuchte ich kurz einen Rasen den ich vor kurzem nur im Vorbeifahren sah.
Ich vermutete hier Pilze - und ich täuschte mich nicht. ;-)
Allerdings waren die meisten für mich schwer bestimmbar. Was nicht negativ ist - ich mag neues, unbekanntes ja sehr.
Matthias half mir bei der näheren Eingrenzung.

Erster Fund - klar ein Kartoffelbovist - aber welcher?


Fundort:

ca. 550 müNN. ca. N50, O12, auf Rasen, bei verschiedenen Laubbäumen (hauptsächlich Kastanie)
Fundzeit:
28.07.2015
Wuchsform:
gesellig
Hauthaut:

dünn, beige, jung fast glatt, alt spaltig aufgerissen
Fleisch:
fest, creme bis gelb, im Alter violette Rand-Zone um den Sporenbereich, Sporen schwarz werdend
Stielansatz:
gar keiner bis 6 mm lang
Größe:
Durchmesser 1-5 cm
Geruch:

pilzig (nach Maronenröhrling)
Geschmack:
pilzig (nach Maronenröhrling)

Das dürfte der Gelbflockige Kartoffelbovist (Scleroderma bovista) sein.

Der Zweite Pilz war zwar zu jung zum bestimmen.
Zuhause ließ ich ihn etwas nachreifen.
Die Rosatöne an verschiedenen Stellen und der Habitus lassen aber auf einen Perlpilz (Amanita rubescens) schließen:

Da nächste ist kein Pilz, sondern eine Hundsflechte (Peltigera spec.). Hab ich zum Spaß mal fotografiert.

Dann sogar ein Saftling - zwar nicht mehr so schön, aber er hatte ganz tolle Farben - nämlich gelb und grün auf Hut und in den Lamellen.

Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, auf Rasen, neben Haselnussstrauch.
Fundzeit:
28.07.2015
Wuchsform:
einzeln
Hutform:

flach
Huthaut:
Zentrum weißlich, sonst gelb und hellgrün, feucht etwas klebrig
Hygrophanität:
nicht feststellbar
Hutrand:
kantig, könnte evtl. gerieft sein wenn feucht
Lamellen:
hellgelb, zu den Schneiden hin hellgrün werdend (Bild ist nicht farbfalsch, die Lamellen sind tatsächlich hellgrün!), mit Zwischenlamellen, ohne Y-Gabeln
Lamellenschneiden:
bogenförmig, hellgrün
Lamellen- Hutübergang:

ausgebuchtet angewachsen
Fleisch:

hellgelb, fest
Stiel:
verdreht, klebrig, gelb, biegsam, zur basis hin etwas heller werdend
Stielbasis:
rund
Größe:
Hutdurchmesser 1,5 cm, Stiellänge 5 cm, Stieldurchmesser ca. 3 mm
Sporenpulverfarbe:
in Arbeit
Geruch:
neutral
Geschmack:
neutral

Makroskopische Bestimmung ist hier nicht möglich.
Gelbgrüner Saftling (Hygrocybe virescens) --> passt makroskopisch am besten - wäre eine Rarität!
oder Schleimfuß-Saftling (Hygrocybe glutinipes)
oder Stumpfer Saftling (Hygrocybe chlorophana)
oder
Papagaiensaftling (Hygrocybe psittacina)

Diese Bild ist nicht farbfalsch!
Die Huthaut ist tatsächlich teilweise hellgrün:

Diese Bild ist auch nicht farbfalsch!
Die Lamellenschneiden sind tatsächlich hellgrün:

Dann Pilze, welche ich noch nie gesehen habe.

Fundort:

ca. 550 müNN. ca. N50, O12, auf Rasen, bei Kastanie.
Fundzeit:
28.07.2015
Wuchsform:
gesellig
Hutform:

generell halbrund aber sehr verwunden, wellig ect.
Huthaut:
wie feinsamtiges Wildleder, teilweise klein-feldrig aufgerissen, graubraun bis schwarzbraun, Huthaut ist nicht abziehbar
Hygrophanität:
nein
Hutrand:
eingerollt
Lamellen:
grau, mit Zwischenlamellen, mit Y-Gabeln
Lamellenschneiden:
bogenförmig, glatt
Lamellen- Hutübergang:

gerade angewachsen
Fleisch:

fest, zuerst grau, dann nach längerem warten leicht rosa bis rötlichviolett anlaufend
Stiel:
kurz, krumm, grau bis rötlich grau
Stielbasis:
spitz
Größe:
Hutdurchmesser 2-6 cm, Stiellänge 2-4 cm, Stieldurchmesser ca. 6-14 mm
Sporenpulverfarbe:
weiß
Geruch:
jung leicht mehlig, alt stark mehlig
Geschmack:
jung und alt sehr stark mehlig

Matthias hat die Pilze untersucht.
Und hier handelt es sich um eine Mega-Rarität - nämlich den Schwärzenden Wiesenritterling (Porpoloma metapodium).

Matthias' mikroskopisches Ergebnis:

Bild & Copyright: Matthias Reul

Die tollen Funde hörten nicht auf...
weiter ging es mit einem Rübling:

Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, auf Rasen, bei Kastanie.
Fundzeit:
28.07.2015
Wuchsform:
2 Stück nebeneinander
Hutform:

wie umgedrehter Teller, in der Mitte ein Buckel, Hutrand leicht nach oben gewölbt
Huthaut:
radialfaserig, glatt, Fuchs-rötlich-braun
Hygrophanität:
ja, wird heller
Hutrand:
leicht nach oben gewölbt, sonst kantig, deutlich gerieft
Lamellen:
creme, mit Zwischenlamellen, mit Y-Gabeln in beide Richtungen
Lamellenschneiden:
bogenförmig, gesägt
Lamellen- Hutübergang:

frei
Fleisch:

fest, Fuchs-rötlich-braun
Stiel:
hohl, Fuchs-rötlich-braun, fest
Stielbasis:
rund
Größe:
Hutdurchmesser 1,5-2 cm, Stiellänge 2-3 cm, Stieldurchmesser ca. 2-3 mm
Sporenpulverfarbe:
weiß
Geruch:
fast neutral, leicht pilzig
Geschmack:
unangenehm

Tja, auch hier ist Mikroskopieren angesagt.
Eventuell der Gemeine Waldfreund-Rübling (Gymnopus dryophilus):

Der nächste Kandidat war wieder ein Kartoffelbovist...

Fundort:

ca. 550 müNN. ca. N50, O12, auf Rasen, bei Kastanie
Fundzeit:
28.07.2015
Wuchsform:
einzeln
Hauthaut:

dünn, beige, feldrig aufgerissen
Fleisch:
creme, Sporen schwarz mit violettlichem Rand
Stielansatz:
gar keiner bis 8 mm lang
Größe:
Durchmesser 2-5 cm
Geruch:

pilzig (nach Maronenröhrling)
Geschmack:
nicht probiert

Das dürfte der Leopardenfell-Hartbovist (Scleroderma areolatum) sein:

Ein Wunderschöner Pilz:

Ich musste leider heim fahren...
Doch zum Schluss noch schnell ein Stäubling:

Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, auf Rasen, bei Kastanie
Fundzeit:
28.07.2015
Wuchsform:
einzeln
Hauthaut:

dünn, creme, mehlig-körnig
Fleisch:
weich - wie ein Marshmallow, weiß, im Schnitt sind 2 Zonen im Fruchtkörper erkennbar
Stielansatz:
5 mm lang
Größe:
Durchmesser 3 cm
Geruch:

fruchtig, leicht harzig
Geschmack:
nicht probiert

Das ist eindeutig der Wiesen-Stäubling (Lycoperdon pratense):

Das war's für heute....
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