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19.06.2
015: Erster Täubling, Nelkenschwindlinge & Co.
Liebe Schwammer-Freunde,
den ganzen Tag freute ich mich schon auf eine kurze Tour in einen Wald.
Es hat ein bisschen geregnet - also muss es ja was geben...
Und so war es auch... seht es Euch an...

Zuerst mal fand ich wieder den
Rostpilz Puccinia poarum an Huflattich:

Und dann der erste Täubling in diesem Jahr. Zeit wurde es...
Makrodaten:

Fundort: ca. 550 müNN. ca. N50, O12, im sehr feuchten Moos im Fichtenwald.
Fundzeit: 19.06.2015
Boden-pH: 5.0 pH (also sauer)
Wuchsform: einzeln
Hutform:
jung halbkugelig, alt ausgebreitet mit Delle in der Mitte
Huthaut-Konsitenz: feucht sehr schmierig (schleimig), klebrig, glänzend. Trocken glänzend.
Huthaut-Farbe: außen blass-violett, nach innen blass-olivegrün werdend
Huthaut-Abziehbarkeit:
2/3 abziehbar
Fleischfarbe unter Huthaut
: weiß, ohne Farbstich
Hut-Fraßstellen-Rand-Verfärbung: keine
Hutrand: gerieft (jung und alt)
Lamellen: jung fast weiß, alt creme mit orangebraunen Punkten an den Schneiden, deutliche Queradern, mit Y-Gabeln
Lamellensprödigkeit: schwer zu sagen. Ich würde sagen mittlere Brüchigkeit. Egal ob alt oder jung, sie brechen beim darüber streichen nicht wie üblich, aber dann doch, wenn man fester streicht. Das kann aber auch daher kommen, weil die Pilze wirklich sehr gut feucht waren.
Lamellen-Stielübergang:
frei
Fleisch:
weiß
Stiel: weiß, innen wattig ausgestopft, keine braun-Fleckigkeit am Stiel
Verfärbungen auf Druck: keine (weder innen noch außen)
Stielbasis: jung: normal rund. Alt: zugespitzt
Größe: Hutdurchmesser 4-7 cm; Stiellänge 6-8 cm, Stieldurchmesser ca. 15 mm
Sporenpulverfarbe: Pantone 713U
- das ist absolut keine Romagnesi-Farbe --> siehe dazu die folgende Betrachtung.
Geruch: neutral
Geschmack:
mild (unmittelbar und auch nach 1 Minute Kauen)

Sehen wir uns zuerst einmal die Problematik mit der Sporenpulverfarbe an.


Es ist eindeutig zu erkennen - Pantone 713U:



Das ist RGB 255, 193, 144.
Im Direktvergleich mit der Romagnesi-Tafel passt deshalb natürlich keine Farbe, da diese in dieser Helligkeitsklasse (83%) nur b zu g-Faktoren von ca. 40% enthält, nicht aber wie bei dem Bestimmungs-Pilz einen b zu g-Faktor von 77%. Oder anders gesagt: das Sporenpulver ist einfach zu blau für die Romagnesi-Tafel. Will man trotzdem unbedingt einen Wert zuordnen, passt am ehesten die Farbe IVa bis IVb.

Bei diesem Täubling kommt man auf die Verwechslungspartner-Gruppe:
Kiefern-Täubling (Russula cessans)
Karminroter Weich-Täubling (Russula ruberrima)
Lärchen-Weich-Täubling (Russula laricina)
Geriefter Weich-Täubling (Russula nauseosa)

Der Kiefern-Täubling fällt wegen der Hutrand-Riefung weg.
Der Karminrote Weich-Täubling fällt wegen der Hutfarbe weg.

Der Lärchen-Weich-Täubling fällt eigentlich deshalb weg, weil die jungen Exemplare ebenso stark gerieft sind.
Es bleibt jedoch eine Unsicherheit, die über die Sporen beseitigt werden kann.
Der eine Unterschied ist das Ornamet, welches bei Russula laricina eindeutig Typ E ist, während bei Russula nauseosa ein Mix aus Typ B und E vorhanden ist.
Außerdem bleiben die Warzen des Lärchen-Weich-Täublings (Russula laricina) unter 1 µm Höhe, während die des Gerieften Weich-Täublings (Russula nauseosa) über 1 µm lang werden.
Anhand der Sporen können diese Arten also eindeutig unterschieden werden.

Das sehen wir uns an:

Ermittelte Mikrodaten:

Sporen:
(7.6) 8.5 - 9.3 (9.8) x (6.6) 6.8 - 7.7 (8.1) µm
Q = (1.1) 1.2 - 1.28 (1.3) ; N = 50
Me = 8.8 x 7.3 µm ; Qe = 1.2

Warzenhöhe:
(0.7) 0.8 - 1.1 (1.3) µm
N = 52
Me = 1 µm

Warzenform:
Stumpfkegelig bis zylindrisch

Apikulus:
(1.4) 1.44 - 1.8 (1.9) x (0.7) 0.8 - 1 (1.1) µm
Q = (1.5) 1.6 - 2.1 (2.2) ; N = 10
Me = 1.7 x 0.9 µm ; Qe = 1.8

Ornament:
Isolierte Warzen, einige mit Linien verbunden und selten auch perlschnurartig aneinandergereihte Warzen
Das ist B3, selten E3 nach Woo

Hilarfleck:
polygonal,
2.4 - 3.2 µm
N = 8
Me = 2.7 µm

Und das ist eindeutig der Geriefte Weich-Täubling (Russula nauseosa):

Dieses Bild ist nicht überbelichtet auch wenn es so scheint - genau so sah er aus (mit vorherigem Weißabgleich aufgenommen):

Queradern und Y-Gabeln an abgefressener Stelle gut sichtbar:

Dann ging es in ein sumpfiges Gebiet.
Und schon - ganz typisch für das Gebiet hier - fand sich ein
Weißgenatterter Wasserkopf (Cortinarius albovariegatus):

und ein winziger - 6 mm im Durchmesser
Kiefernzapfenrübling (Strobilurus stephanocystis oder Strobilurus tenacellus):

Der nächste ist ein noch unbestimmter.

Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, in sumpfartigen Gelände im feuchten Moos
Fundzeit:
19.06.2015
Wuchsform:
einzeln
Hutform:

halbrund
Huthaut:
orange, mit helleren Radialstriemen, trocken sind sehr feine Fasern zu sehen
Hutrand:
kantig
Lamellen:
hellorange, mit Zwischenlamellen, ohne Y-Gabeln, ausgebuchtet angewachsen
Lamellenschneiden:
leicht gekörnt
Stiel:

transparentartig gelb, ohne Ring, minimalst beflockt
Geruch:

vergessen zu testen
Größe:
Hutdurchmesser 0,5 cm; Stiellänge ca. 6 cm, Stieldurchmesser ca. 1 mm
Sporenpulverfarbe:
er kam nichts sichtbares heraus
Geschmack:
nicht probiert

Bleibt ein vorerst unbestimmter Mooshäubling (Galerina hypnorum agg):

Der nächste sieht ähnlich aus - ist aber ein anderer - nämlich der Moorhäubling (Galerina paludosa):


Sporenpulverfarbe: Pantone 470

Dann aber der Fund des Tages.
Schwer zu bestimmen, da der Standort und die Hutfarbe völlig untypisch waren...

Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, auf sehr sehr zersetztem Holz im stark sandigen Boden liegend, neben einer Zitterpappel - wobei das Holz nicht von dieser Zitterpappel stammen muss.
Fundzeit:
19.06.2015
Boden-pH:
vergessen zu messen
Wuchsform:
büschelig
Hutform:

halbrund bis kegelig
Huthaut:
rosa (fleischrosa), glatt, feucht glänzend
Hygrophanität:
ja, wird creme-hellrosa
Hutrand:
kantig, nicht gerieft
Lamellen:
creme, mit welligen Zwischenlamellen die teileweise wie Queradern enden, ohne Y-Gabeln
Lamellenschneiden:
normal, ohne Besonderheiten
Lamellen- Hutübergang:

schwer zu sagen - ich würde sagen frei.
Fleisch:

Hutfleisch rosa (fleischrosa), Stiel faserig und im Zentrum weiß, außen creme
Stiel:
junge Exemplare creme, nach unten hin orangebraun werdend, mit weißem Filz, der aufreißt und im Alter einen genatterten Stiel ergibt. Außerdem sind die Stiele bei den alten Exemplaren ganz orangebraun, und deutlich genattert.
Stielbasis:
leicht verdickt, bis normal rund
Größe:
Hutdurchmesser 0,5-1,5 cm; Stiellänge 2-4 cm, Stieldurchmesser ca. 3 mm
Sporenpulverfarbe:
weiß
Geruch:
gut pilzig
Geschmack:
gut pilzig

Aber Emil hatte die entscheidende Idee - es sind Nelken-Schwindlinge (Marasmius oreades)
Sind die nicht wunderbar?:

  

Das war's für heute Leute ;-))
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