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11.05.2
015:
Wunderschöne Frühlingspilze

Liebe Pilzfreunde,
die nächsten Bilder zeigen die Pilze der letzten 3 Tage.
Es waren wieder wunderschöne Funde dabei.
Und was mich besonders begeistert: Ich habe durch diese Funde die ich ins Forum zur Diskussion stellte einen Pilzfreund gleich um die Ecke "kennen gelernt" dessen Berichte und exzellente Bilder ich speziell schon seit längerer Zeit im Forum bewundert habe. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit Sachen, die mir bislang verborgen blieben.
Ich hatte keine Ahnung, dass er nur ein paar Minuten von mir entfernt wohnt. Das ist wirklich ein Zufall, den es nur selten gibt.
Genug geredet... Nun: Viel Spaß....

Was hat ein Geschirrspüler mit Pilzen zu tun?
Ganz einfach: Unsere alte Rumpel, die ich und mein Neffe Christian schon 10 mal repariert hatten ist nun (endlich) ein Totalschaden.
Bei der Entsorgungsfahrt sah ich vor einem Gartenzaun aus dem Augenwinkel etwas leuchten...
Ich sagte "HAAAAAAAAAAAAALLT STOPPPPPPPPPP!!!!!!!!!! Zurück!!!! MAIPILZE!!!!"
Aber nein, es war etwas anderes, nämlich Frühe Ackerlinge (Agrocybe praecox):



Sporenpulverfarbe ist Pantone 4635:

Später, bei Oma Else im Garten fand ich diesen unbekannten Knaben:

Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, im Garten unter einer jungen Tanne
Fundzeit:
09.05.2015
Huthaut:
kastanienbraun, radialfaserig, glatt, nicht bereift, mit Buckel, nicht gerieft
Hutrand:
nicht hygrophan, nicht hell sondern dunkel, kantig
Lamellen:
braun, bogenförmig, mit Zwischenlamellen, ohne Y-Gabeln, ausgebuchtet angewachsen (Burggraben), mit Zahn herablaufend
Lamellenschneiden:
nicht wellig, nicht gesägt
Fleisch:

fest, braun
Stiel:
braun mit lila-Anteil, glänzend, hohl - ausgestopft, leicht beflockt, kein Ring, keine Ringzone, der Stiel ist deutlich wellig - nicht gerade gewachsen
Stielbasis:

nicht knollig
Geruch:
Der Stiel zerrieben riecht fast neutral, leicht spermatisch. Der Hut jedoch eindeutig gut pilzig.
Größe:

Hutdurchmesser ca. 1,5-4 cm; Stiellänge 5-8 cm, Stieldurchmesser 3-5 mm
Sporenpulverfarbe:
d
unkelbraun - Pantone 469
Geschmack:
noch nicht probiert

Diesen konnte ich später mikroskopisch als den Rosastieligen Wasserkopf (Cortinarius vernus) bestimmen:

Hier kann man die leichte Beflockung erkennen:

nächster Tag... wieder ein schwieriger Fund....
Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, in Wiese neben einer Linde
Fundzeit:
10.05.2015
Hutform:
glockig/keglig
Huthaut:
braun, radialfaserig, glatt, nicht bereift, nicht gerieft,
Hutrand:
abgerundet, dunkelbraun
Lamellen:
ocker im Zentrum, nach außen hin hellbraun werdend, mit Zwischenlamellen, ohne Y-Gabeln
Lamellenschneiden:
bogenförmig, nicht wellig, nicht gesägt
Fleisch:

fest
Stiel:
oben rotbraun nach unten hin dunkelbraun bis schwarzbraun werdend, kein Ring, keine Ringzone, starr wie ein Ästchen, leicht behaart
Stielbasis:
mit weißem Myzelfilz
Geruch:
fast neutral, ganz leicht mehlig
- später deutlich nach Fisch
Größe:

Hutdurchmesser ca. 1 cm; Stiellänge 5 cm, Stieldurchmesser 2 mm
Sporenpulverfarbe:
hell-orangebraun
Geschmack:
noch nicht probiert

Diesen hat Matthias dann mikroskopiert. DANKE!!!
Und das ist nun sicher: Der Gurkenschnitzling (Macrocystidia cucumis)
:

Der Stiel:

Dann am 11.05.2015 nahm ich mir mal Zeit und fuhr in einen Wald.
Im Nadelwald fand ich nur Frühjahrslorcheln (Gyromitra esculenta) - sehr schön:

Dann fuhr ich in einen reinen Laubwald und versuchte dort mein Glück....
Zuerst ein Pilz, den mag ich sehr gern:
der Buchenwaldwasserfuß (Hydropus subalpinus).
Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, immer auf vergrabenen Buchenholzstücken
Fundzeit:
11.05.2015
Wuchsform:
einzeln
Hutform:

glockig, aufgeschirmt ohne Buckel und halbkugelförmig oder noch etwas glockig
Huthaut:
goldbraun, Zentrum selten ein bisschen heller, glatt oder samtig, nicht bereift, nicht hygrophan, radialfaserig
Hutrand:
nicht oder minimal gerieft, kantig oder ausgefranzt
Lamellen:
weiß, mit Zwischenlamellen, ohne Y-Gabeln, ausgebuchtet leicht angewachsen (Burggraben)
Lamellenschneiden:
bogenförmig, stark wellig oder zackig
Fleisch:

etwas zerbrechlich
Stiel:
weiß, faserig, oft 8-förmig im Schnitt, manchmal verdreht - manchmal nicht verdreht, kein Ring, keine Ringzone, kein Gürtel, keine Schuppen, hohl.
Wenn man den Stiel unten abschneidet und zusammendrückt kommt immer ein Tropfen wässrige Flüssigkeit heraus - deshalb heißt er eben Wasserfuß.
Stielbasis:

ohne Knolle, immer mit viel weißem Filz
Geruch:
neutral
Größe:
Hutdurchmesser ca. 1-5 cm; Stiellänge 6-15 cm, Stieldurchmesser 4-8 mm
Sporenpulverfarbe:
weiß
Geschmack:
fast neutral

So schwer sind die zu finden ;-) Seht Ihr ihn?



Typisch: immer am Holz:

Der "geachterte" Stiel:

Und so sieht der Wald dazu aus:

Weiter ging's - der nächste ist noch nicht sicher bestimmt.
Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, neben Buchen und Linden.
Fundzeit:
11.05.2015
Becherrand:
etwas wellig
Becher innen:
karamellbraun, glatt, nicht geadert
Becher außen:
weißlicher mehliger Überzug über kramallbraun
Fleisch:
fest, aber etwas brüchig
Stiel:
sehr kurzer weißer Ansatz
Geruch:

leicht spermatisch und später etwas gummiartig
Größe:
Durchchmesser ca. 2-7 cm; Höhe 1-4 cm
Sporenpulverfarbe:
nicht geprüft
Geschmack:
noch nicht probiert

Diesen hat Matthias mikroskopiert.
Er ist zwar noch unreif, aber Matthias meint es ist recht sicher der Buchenwaldbecherling (Peziza arvernensis):

Es fand sich noch ein kleiner:

Dann kam ich diesen wunderschönen Abschnitt:

Und dort fand sich der folgende wunderschöne Dachpilz.
Den man nach diesem Schlüssel prima bestimmen kann.
Matthias hat keine Schnallen in der Huthaut gefunden.
Es ist also der Rehbraune Dachpilz (Pluteus cervinus).

So fand ich ihn an einem Buchenstumpf:

Etwas später noch einer, der aber schon vergangen war:

Dann ein äußert interessanter Pilz.
Ein Psathyrella.

MAKROSKOPISCHE DATEN:
Fundort:

ca. 550 müNN. ca. N50, O12, auf altem Laubholzresten im Gras, evtl. alter Stubben.
Fundzeit:
11.05.2015
Wuchsform:
büschelig
Hutform:

glockig, aufgeschirmt mit Buckel
Huthaut:
kramallbraun, Zentrum heller, mit weißen Fasern, glatt, nicht bereift, hygrophan
Der Hut nimmt beim austrocknen einen Rosaton an --> wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen Psathyrella artemisiae (ockerlich ausblassend) und Psathyrella impexa (rosaton ausblassend)
Hutrand:
gerieft, kantig, mit deutlichem Behang
Lamellen:
ocker, mit Zwischenlamellen, ohne Y-Gabeln
Lamellenschneiden:
bogenförmig, nicht wellig, mit minimalen weißen Zähnchen
Fleisch:

sehr zerbrechlich, man kann sie kaum ernten
Stiel:
weiß, glänzend, kein Ring, keine Ringzone, kein Gürtel, oben mit Schuppen, innen eine Röhre, in der Röhre ist ein transparenter bis gelblicher Saft.
Stielbasis:

ohne Knolle, ohne Filz
Geruch:
fast neutral, ganz leicht pilzig
Größe:
Hutdurchmesser ca. 2-5 cm; Stiellänge 8-14 cm, Stieldurchmesser 5-8 mm
Sporenpulverfarbe:
Pantone 4975
Geschmack:
nicht probiert

MIKROSKOPISCHE DATEN:
Matthias hat den Pilz für mich mikroskopiert und fand folgendes heraus:
Sporen:
7-9 x (3,5)4-4,5µm, mit kleinem exzentrischen Porus
Basidien:
4-sporig
Cheilozystiden:
nur blasige wie auf dem Bild unten: bis 25 x 12µm
Pleurozystiden:
gab's auch vereinzelt im Präparat, die wenigen messbaren waren alle relativ ähnlich groß: 30-40 x 10-12µm


Bild und Copyright: Mathias Reul

Der Psanthyrella Experte Andreas Melzer half bei der Bestimmung dieses schwierigen Falls.
Finale Bestimmung: Ausgeflachter Faserling (Psathyrella pseudocasca)
Siehe auch hier
Und hier ist er:

vor dem "hygrophanisieren":

nach dem "hygrophanisieren":

Der nächste - schon wieder ein mir unbekannter:

Fundort:
ca. 550 müNN. ca. N50, O12, an einem Laubholzstumpf (Buche ziemlich sicher)
Fundzeit:
11.05.2015

JUNGE Fruchtkörper:
Fleisch:

fest, noch nicht zerschnitten
Keulenfarbe:
oben Hautfarben, unten blaugrau wie Blauschimmel (ist aber kein Schimmel), samtig
Keulenform:
fingerartig
Geruch:

fast neutral, ganz leicht pilzig
Größe:

Höhe ca. 2 cm.
Sporenpulverfarbe:
keine Ahnung wie ich die erkennen kann.
Geschmack:
noch nicht probiert

ALTE
Fruchtkörper:
Alter:

bestimmt vom letzen Jahr, die Fruchtkörper waren über den Jungen.
Erst als ich die Alten entfernte, konnte ich die jungen sehen.
Fleisch:
keines mehr drin. Innen haben die Fruchtkörper ein Baumartiges karamellbraunes Gespinst
Keulenfarbe:
schwarz
Keulenform:
runzelig wie ein alter ausgelassener Luftballon
Geruch:

neutral
Größe:
Höhe ca. 4 cm.
Sporenpulverfarbe:
keine Ahnung wie ich die erkennen kann.
Geschmack:
etwas würzig


Auch diesen hat Matthias dann mikroskopiert. NOCHMAL DANKE!!!
Und das ist nun sicher:
Die Langstielige Ahornholzkeule (Xylaria longipes):

Ja, und den Abschluss machte der Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum) - immer wieder schön anzuschauen:

So, die essbare Ausbeute von heute war nicht groß - aber des macht nichts.
Die Buchenwaldwasserfüße und der Dachpilz wandern in die Pfane:

Mmmmhhhhmmm.... LECKER ;-)))

Das war's für heute Leute ;-))
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